Marienkirche Bissingen

Johann Victor Gruol der Ältere

Technische Daten

Erste Orgel von Johann Ludwig Goll vor 1750, Standort auf Chorempore.

Marienkirche Bissingen
Erst nachdem dieser Anbau errichtet war, konnte Gruol seine Orgel aufstellen


1824 Neubau von Johann Victor Gruol auf der Seitenempore im kurz zuvor errichteten südlichen Anbau der Kirche: 20 Register auf 2 Manualen und Pedal.
Nach 1836 Einbau von Cornet 2 fach im HW und Wechsel des Registers Kleingedackt 4‘ vom HW ins Positiv. Im Gegenzug erhält das HW eine Flöte 4‘, die als Moderegister von Johann Victor Gruol dem Jüngeren neu angefertigt wurde. Vom Positiv wanderte aber nur das Registerschild zu den Hauptwerksmanubrien, heute noch zu erkennen an den verschiedenen Farben.;
Etwa 1880 erster grundlegender Umbau: Ersatz der Posaune 16’ durch ein gedecktes 16’-Register, Ersatz der Mixtur im Rückpositiv und des Cornet im Hauptwerk durch 8’-Streicher, Umintonation der ganzen Orgel in Richtung Grundtönigkeit.
1926 Ausreinigung durch Orgelbau Link, Giengen an der Brenz. Erweiterung des Brüstungspositivs durch eine pneumatisch gesteuerte Vox coelestis 8’ (für Abendmahlsfeiern)
1967 Restaurierung durch Orgelbau Rensch, maßgeblich durchgeführt von William Jurgenson.
1998 Ausreinigung. Einrichtung einer Tretanlage durch Orgelbau Klaus Rensch.
2018 Einbau eines neuen Gebläses.

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Der imposante Hauptprospekt
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Das Brüstungspositiv in formaler Gegenbewegung zum Hauptprospekt, perfekt verzahnt wie die Pfeifenzahlen 35 53, ein Zahlenpalindrom. Hier lobt das Werk Meister und Mäzen
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Einmalig unter Teck: der Salvator mundi in der Mitte


Standort:

Empore über dem südlichen Anbau – Gehäuse gestrichen mit Goldfassungen in den Hohlkehlen, neunteiliger Prospekt mit zwei Türmen, 53 Pfeifen. Prospekt Brüstungspositiv: fünfteilig, 35! Pfeifen. An Hauptwerk und Rückpositiv Schleierbretter und Ohren mit rotem Tuch hinterlegt und Medaillons in der Mitte – die Türme gekrönt von zopfumkränzten Vasen, allerdings nur als Fassade gestaltet und vom Kirchenraum aus kaum sichtbar. In der Mitte des Prospektes die lebensgroße Figur des Salvator mundi, flankiert von zwei geflügelten Putten mit Fanfaren.  Über der Orgel ein Holztonnengewölbe blau gestrichen mit goldenen Sternen, dieselben Sterne am Rückpositiv.

Rückpositiv:

Breite/ Höhe/ Tiefe 186/190/56 cm.
Hauptorgel:
Breite/Höhe/Tiefe 440/610/190 cm.   
Abstand zur Mauer 60 cm. 
Höhe des Gewölbes über Orgelboden (Emporeboden) 670 cm.

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Weil das Pedal weiter nach vorne gerückt werden sollte, wurde die Trakturführung komplizierter und schwergängiger


Freistehender Spieltisch: Breite/Höhe/Tiefe 157/117/47 cm. Abstand zum Orgelgehäuse. 100 cm. Notenpult aus Eiche, nur horizontal verstellbar, in den Spieltischdeckel eingeschoben, Höhe/Breite/Neigung 29,6/71,5 cm/34°, Notenauflage 4,2 cm tief im rechten Winkel zum Pult, an beiden Enden abgeschrägt.
Beleuchtung des Notenpultes durch im Gewölbe eingebaute Strahler. Pedalbeleuchtung: Neonleuchtröhre, an den Motorschalter gekoppelt.
Keine eingebaute Heizung. 
Motorschalter: Drücker unter dem Vorsatzbrett, gleichzeitig
Lichtschalter für die Spieltischbeleuchtung am Untergehäuse. Keine automatische Abschaltung für den Motor, jedoch Zeitschaltung.
Keine sonstigen Schalter und Steckdosen am Spieltisch.
Originale Orgelbank, Unterlegleisten.

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Elfenbeinverzierungen an den Tastenköpfen sehen nicht nur wertig aus, sondern verschleiern auch Unebenheiten der Tastenreihe


Manual
Manual I Hauptwerk, Manual II Brüstungspositiv. Mechanische Traktur mit Stecher und Wippe, einschenklige Tasten, Koppel II-I als Tastenkoppel, eingeschaltet über einen Zug mit Metallgriff über dem zweiten Manual. Tastenfall: I 12 mm, II  9 mm. Tastendruck: I 240 g, II  250 g, gekoppelt über 250 g. Oktavmaß: 169 mm. Tastenteilung: schmalste Tasten e 22,5 f 22,7 mm, breiteste Tasten e 23,4 mm und g 23,1 mm. Tastenholz: Fichte. Tastenbelag Untertasten: Ebenholz, Tastenbelag Obertasten: Elfenbein. Länge Untertasten: 120 mm, Länge Obertasten: I 73 mm,
II 77 mm. Abstand der Manuale: horizontal 135 mm, vertikal 60 mm.
Wellenbrett: Holzwellen mit Metallstiften in ausgetuchten Holzlagern. Neigung der Klaviaturen: 1° nach vorne.

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Wippe, Winkel, Zug. Die Manualtraktur verläuft unter dem Boden


Pedal
Seltene Konstruktion: Tasten sind nach hinten gehende Wippen mit dem Hebelverhältnis 62,6:48,5. 
I-P Koppelmechanik im Orgeluntergehäuse. Pedaleinschub gegenüber dem Original um 100 mm cm weiter in den Spieltisch hineingeschoben. Radialpedal, weil der erweiterte Umfang in den alten Einschub passte. Tasten doppelt geschweift. Tastenbreite Untertasten und Obertasten: je 22 mm. Tastenfall: 19 mm. Tastendruck: nicht gemessen. Oktavmaß: 450 mm. Tasten: Buche massiv. Sichtbare Länge: Untertasten 600 mm, Obertasten 95 mm. Einschub: 200 mm hinter Vorderkante Manual I. Horizontale Position c° unter c‘. Vertikale Position: 825 mm unter Manual I.

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Die Farben der Registerschilder verraten die ursprüngliche Zuordnung
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Kratzspuren an der Tapete zeigen, welche Register am häufigsten gezogen wurden


Mechanisch. Stangen, Schwerter und Wellen aus Holz. 22 Manubrien in zwei Etagen rechts und links der Manuale. Registerschilder original, handgeschrieben ohne Nummerierung. Koppel HW/P als Registerzug mit der Aufschrift Kuppel-Zug.

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Von den drei Schöpfbälgen auf der Kirchenbühne arbeitet bei Motorbetrieb nur der unterste
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Diese Balgsteine sind noch original
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So hätte die Tretanlage aussehen können. Wahrscheinlich aber wurden die Seile von Hand gezogen

Drei funktionsfähige Schöpfbälge im Balghäusle auf der Kirchenbühne. Neu konstruierte Tretanlage neben der Orgel.

Motor und Schleudergebläse von Emil Mertz, Basel, Baujahr 1914, 1450 U/Min, 0,7 PS, Schütz.
Winddruck im Windkanal in der Orgel: 62,1 mmWS (gemessen im November 1996)

2018 Neues Gebläse: Aug. Laukhuff Orgelteile D-97990 Weikersheim Bj. 12. 17 cbm (m.c.) 18 Min, WS (Press.) 120. Motor-Nr. 55053.  H.P: 0,75. Volt 230/400,
Amp. 3,5/2,0, Tour. (Rotat.) 1400, Period. 50, Phas. 3.
Winddruck: Hinter Balg 64 mmWS, in der Orgel 63,2 mmWS, im Positiv 56,5 mmWS an Tonloch e‘ von Coppel 8‘. Gemessen im Juni 2020.
Keine Regulierbälge in der Orgel, Windkanal aus Holz, Kanaltremulant zum Rückpositiv, Verführungen im Pfeifenstock unter dem Prospekt.

Schleifladen: gespundet, Holzschleifen, Schwanzventile, Pedallade C – c’ im Hauptgehäuse (alt), cis’- f’ hinter dem Untergehäuse (neu). Hauptwerk und Rückpositiv Terzaufstellung, Pedal diatonisch mit Ausnahme der chromatischen Zusatzlade.

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Blick ins Hauptwerk

Pfeifenzahl: Hauptwerk 678, Rückpositiv 371,
Pedal 120 Pfeifen, 
1169 Pfeifen insgesamt.
9 Holzregister, 11 Metallregister, 15 offene, 5 gedeckte Register.

Hauptwerk Manual I C-c’’’
Bourton16′Gedeckt, Holz ab C°
Principal8’Prospekt, Pfeifen von Link 1920
Liebl. Principal8’Holz
Viol (di gamb)8′ 
Coppel8′Holz
Octav4′ 
Waldfloethe4′ 
Floete4′ 
Cornet. 2-fach2′ 
Mixtur. 4-fach2′Repetition f° f’ f’’’
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Blick ins Brüstungspositiv

Kupplung=Zug (I/Ped)

Vororgel Manual II C-f’’’
Coppel8′Holz, Neue Labien
Principal4′Prospekt
Klein Gedackt4′Holz, ursprünglich Hauptwerk
Salicional4′ 
Octav2′ 
Mixtur. 3fach1′Repetition c° c’’ c’’
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Stolze Stiftertafel, herausragende Gestaltung


II/I Handzug über dem Manual

Pedal C-f‘
Subbass16′Holz, offen cis‘ – f‘ Rensch 1957
Octav-Bass8′Holz, cis‘ – f‘ Rensch 1957
Violonbass8′Holz, cis‘ – f‘ Rensch 1957
Posaunenbass16′Holzbecher, ganze Länge, Rensch 1957
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Der extrem lange Windkanal lässt den Wind sehr atmen. Im Vordergrund die Zusatzlade für die Pedalerweiterung

Stimmung
Absolute Stimmtonhöhe: 443,7Hz bei 23,7° Celsius und 47,7 % relativer Luftfeuchtigkeit, 1023 HPa auf NN atmosphärischem Luftdruck, gemessen am 23.06.2020 um 18.45 Uhr.
Stimmsystem: Kirnberger II modifiziert: 8 reine Quinten,
2 reine Terzen (c-e, g-h) 2 langsam schwebende Terzen d-fis, f-a

Lautstärken
Ruhepegel: 28 dBA. Laufgeräusch: 29,5 dBA.
Größte Lautstärke: 84 dBA, geringste Lautstärke: 63 dBA. 
Gemessen am 23.06.2020 um 18.30 Uhr.

Wartung
Orgelbau  Klaus Rensch

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Einweihungstafel und Portrait des Orgelbauers strahlen Selbstbewusstsein aus

Alleinstellungsmerkmale:
Bedeutendste und am besten erhaltene historische Orgel unter Teck.

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…die güldnen Sternlein prangen…

Kunstvollste Zahlenverhältnisse im Prospekt. Die Orgel steht unter einem Holztonnengewölbe, das mit einem blauen, gestirnten Himmel ausgemalt ist.

 

Medien:
Anita Rauscher, Untersuchungen über die Orgeln des 18. und 19. Jahrhunderts im evangelischen Dekanatsbezirk Kirchheim unter Teck (Zulassungsarbeit, masch.) Reutlingen 1982.
Stadtarchiv Kirchheim unter Teck, Abteilung Teckbotenarchiv
Schriftenreihe des Stadtarchivs Kirchheim unter Teck Band 36:
Orgeln unter Teck (Seite 49)

Yamaha Keyboard in der Sakristei

Kontakt

Adresse Pfarramt:
Evangelisches Pfarramt
Untere Straße 39
73266 Bissingen
Tel.: 07023-6230
Homepage Pfarramt

Adresse der Kirche:
Marienkirche
73266 Bissingen

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