Nikolauskirche Gutenberg

Gruol & Goll 1851 Link 1954

Technische Daten

1851 wird eine alte, abgängige Orgel erwähnt. Herkunft unbekannt.
Im selben Jahr wird für die alte baufällige Kirche von Gruol und Goll eine neue Orgel aufgestellt. Die Disposition ist erhalten.

Manual C – f’’’
Principal8′
Salicional8′
Gedeckt8′
Octav4′
Traversflöte4′
Dolce4′
Oktav2′
Mixtur 3fach2′
Pedal C – c’
Subbass16′
Violonbass8′

1866 Übernahme dieser Orgel in die neu erbaute Kirche.
1910 Umbau mit geringen klanglichen Retuschen durch Walcker, Ludwigsburg.
1954 Abriss und Neubau an der alten Stelle nach Plänen von Dr. Walter Supper.
Spieltisch, Windladen und sämtliche Pfeifen gingen verloren, wiederverwendet wurde allein der Prospekt. Dieser ist seither durch seitliche Anbauten verunstaltet.
1985 Ausreinigung durch Fa. Link
2015 Ausreinigung Reparatur und Nachintonation durch Orgelbaumeister Andreas Schmutz, Donnstetten.

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Sehr gut sieht es außen aus.
Innen eher ists ein Graus.

 

Aufgrund der kuriosen Baugeschichte kann man verstehen, dass Kirche und Orgel nicht so recht zusammenpassen. Das Instrument war ja für die Chorempore der Vorgängerkirche konzipiert.
Immerhin hat sich, im Gegensatz zu Neidlingen etwa, der schlanke Unterbau und die geringe Tiefe des ursprünglichen Gehäuses erhalten. Die Proportionen des eleganten alten Instrumentes wurden allerdings zerstört durch den neuen zweimanualigen Spieltisch, der wesentlich höher reicht als der vom entwerfenden Dr. Walter Supper im Jahr 1953 vorgesehene. Noch entstellender sind die seitlichen Anbauten, die durch die Erweiterung des Pedalumfanges und den Einbau einer zusätzlichen Lade für ein zweites Manualwerk nötig geworden waren. Glücklicherweise wurde der sehr ausgewogene und geschmackvolle Prospekt nicht angetastet. Er kann je länger je mehr überzeugen durch seine schlichte Eleganz aus der Frühzeit der Zweitgotik. Der Vergleich mit den gleichförmigen Spitzbögen im Prospekt von Laichingen (Karl Schäfer 1851) oder dem überladenen Prospekt in Dettingen/Erms (Wilhelm Blessing 1866) lässt die Hochachtung vor der Gestaltungskraft von J. V. Gruol jun. noch steigen.
Die beiden seitlichen Spitzbögen verbreitern durch dekorative Erweiterung die schmächtigen Felder und bringen sie ins rechte Verhältnis zum ausladenden Mittelfeld. Dieses wird optisch gestreckt durch die seitlichen überhohen Spitzbögen im Gehäuse. Höchst beachtlich, dass Gruol am oberen Abschluss auch noch die Verbindung schafft zum Ornament der seitlichen Felder. Die Klötzchen an der Oberkante sind zwar zeitgeistig, doch sie vermitteln wirkungsvoll zwischen den vergoldeten Querprofilen und den aufschießenden Spitzbögen. Johann Victor Gruol der jüngere hat mit diesem Kunstwerk gezeigt, dass sein neugotischer Prospekt in Beuren kein Einzelfall war, sondern dass er mit seiner künstlerischen Gestaltungskraft in der ersten Liga der Prospektgestalter spielte.

Pfeifenschema des Prospekts:  7 – 11 – 7  = 25 Pfeifen

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Ohne Anbau wärs zu schmächtig,
Mit den Seiten nicht mehr prächtig.

 

Spieltisch frei stehend: Manual I Hauptwerk, Manual II Positiv, Pedal.
Umfang Manuale: C – g’’’, Pedal: C – f’.
Spielhilfen: „Pedaltutti“ sowie Koppel I-P, II-P als Fußtritte.
Notenpult: Aufgeklappter Spieltischdeckel.
Notenauflage: Kirsche, mit Antirutschbelag.
Breite/Höhe/Tiefe: 1357 mm, 235 mm, 54 mm.
Beleuchtung Notenpult: Zwei Halogenstrahler auf Spieltischdeckel stehend.
Beleuchtung Pedal: Drei Halogenstrahler im Kniebrett eingelassen.
Beleuchtung Manubrien: Wie Notenpult
Keine Beleuchtung des Orgelinneren und des Prospekts.
Motorschalter: Drucktasten rot ein, schwarz aus.
Kontrolllicht Motor: Pedalbeleuchtung
Steckdosen: 1x rechts neben Pedal
Elektroinstallation: Steckdose am Spieltisch für Notenlicht und Infrarotstrahler.
Heizung: Infrarotstrahler auch unter der Orgelbank
Schloss am Spieltischdeckel.
Schlüssel: Nicht mehr vorhanden
Firmenschild: Auf Stirnbrett unter dem Notenpult im Stil der Registerschilder.
Orgelbank: 2015 von Andreas Schmutz verstellbar gemacht.

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Für den Spieler ganz bequem,
Regal mit Noten angenehm.

 

Manual
Mechanisch, Klaviatur zweischenklig, Oktavmaß 166 mm
Breite Untertasten (in mm)  c 22,6 d 22,6 e 23 f 23 g 22,8,a 22,8 h 23,4
Tastenteilung breiteste/schmalste Untertaste h 23,4 mm /c, e 22,6 mm,
Tastenfall I 10 mm, II 10mm Obertasten einsinken I 4,3 mm, II 4,3 mm
Tastendruck 250 – 370 g, gekoppelt 300 – 500 g, II 150 – 350, g
Länge Untertasten I 129 mm, II 130 mm Tastenköpfe 46 mm.
Länge Obertasten: 77 mm
Abstände Obertasten: Cis-dis 18 mm, fis-gis 16,7mm, gis-ais 16,3 mm,
ais-cis 31 mm, dis-fis 32 mm.
Vertikaler/horizontaler Manualabstand: 65 mm /91 mm.
Koppeln II-I im Spieltisch, I-P, II-P elektrisch per Fußtritt
Abstrakten und Winkel: Holz
3 Wellenbretter, 
Wellen und Ärmchen: Holz
Tastenbelag Untertasten: Elfenbein (Einzelne erneuerte: Knochen),
Tastenbelag Obertasten: Ebenholz
Neigung der Klaviatur: I 0°, II 0°.

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Noch war Holz die erste Wahl
für Wellen, Ärmchen dazumal.

 

Pedal
System: elektrisch
Form: Parallel, konkav, Obertasten geschweift, Oktavmaß: 465 mm,
Tastenfall: 18 mm, Obertasten einsinken: 25 mm
Tastendruck: 1500 g – 1900 g.
Länge Untertasten / Obertasten: 620 mm / 105 – 155 mm
Breite Untertasten / Obertasten: 23 mm / 23 mm. Einschub: 270 mm
Vertikale Position: 765 mm unter Manual, horizontale Position: c° unter c’
Tastenbeläge: Buche massiv.

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Viel Register, wenig Pfeifen –
geht, wenn die Magneten greifen.

 

Mechanisch für Manuale, elektrisch für Pedal. Manubrien: Gelbe Kunststoffknöpfe
in zwei Ebenen links und rechts der Klaviatur.
Registerstangen: Holz, Registerwellen: verzinktes Eisen, angeschweißte Ärmchen.
Registernamen: Steinschrift auf Registerknöpfen.
Registernummern: Unter Registernamen
Pedalkoppeln: Tritte, Manualkoppel: Registerzug

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Schleifen brauchen Präzision –
sieht man an den Löchern schon.

 

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Kunststoffknöpfe warn modern.
Heut hat man sie wen’ger gern.

 

Gebläse in gedämmtem Kasten im Untergehäuse
Motordaten: Made in Germany by Aug. Laukhuff-Weikersheim,
Masch.-Nr. ohne Angabe, cbm (m.c.) 8 Min., W.S. (Press) 105, Motor-Nr. 12666, H.P., 0,45, Volt 220/380, AMP. 1,5/0,9, Tour. (Rotaz.) 2800, Period 50, Phas. 3
Schwimmerbalg mit Rollventil, keine Ladenbälge.
Windkanäle: Holz, Kondukten, Zinkblech lackiert.
Winddruck: 79 mm WS an der Windlade.

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Motor und Balg und Windkanal
brauchte jede Orgel allzumal.

 

Ladensystem: Schleiflade mit Schwanzventilen (Manuale)
Elektrische Kastenlade (Pedal)
Pfeifenaufstellung: diatonisch nach innen ansteigend.

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Friedlich, schiedlich gegenüber
Windlade da, die Pfeifen drüber.

 

Gesamtpfeifenzahl  756,
davon 54 Holzpfeifen.

HAUPTWERK I C – g‘‘‘
Koppelflöte8′C-cis° Holz gedeckt, d°-f° Metall gedeckt,
fis°-g’’’ Metall halbkonisch
Violflöte8′Metall, C – H gedeckt
Prästant4′C-c’ Prospekt
Gemshorn2′Konisch offen
Mixtur IV2′Repetition c°, c’, c’’

 

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Wenn die Pötte sind zu weit,
reicht der Platz nicht in der Breit.

 

POSITIV II C – g‘‘‘
Singend Gedeckt8′C-h’ Holz, c’’-h’’ Metall, c’’-g’’’ Metall konisch
Rohrflöte4′Metall c’’-g’’’ konisch offen
Sifflöte1 1/3′Metall offen
Sesquialtera2 2/3’+1 3/5’2 2/3 C-H gedeckt
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Hauptwerk rechts, links Hinterwerk
Pfeifen stehn wie Haar’ zu Berg.

 

PEDAL C – f‘
Subbass16′Holz
Flötgedackt8′C – f’ aus Subbass
Hohlflöte4′Metall, offen
Nachthorn2′C – f’ aus Hohlflöte

 

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Pedalregister an der Wand;
dorthin sind sie oft verbannt.

 

Stimmung
Gleichstufig temperiert
Absolute Tonhöhe: a’ 432,3 Hz bei 7,9° Celsius 
Relative Luftfeuchtigkeit 64,9 %  atmosphärischer Luftdruck 1015 hPa
gemessen am 29.11.2014, 16:00 Uhr

Schallpegel
Ruhe 29 dBA Gebläse 37,3 dBA 
Min. 50,2 dBA
Max. 84 dBA

Alleinstellungsmerkmale:
Einziger Orgelprospekt unter Teck, der älter ist, als die Kirche, in der er steht.
Einzige Orgel unter Teck von Johann Victor Gruol dem Jüngeren, die nach dem
Zweiten Weltkrieg bis auf den Prospekt restlos zerstört worden ist.

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Die Kreuzblume von hinten
muss alt und neu verbinden.

 

Medien:
Teckbotenarchiv im Stadtarchiv Kirchheim unter Teck.

Anita Rauscher: Untersuchungen über die Orgeln des 18. und 19. Jahrhunderts im evangelischen Dekanatsbezirk Kirchheim unter Teck (Zulassungsarbeit, masch.) Reutlingen 1982.

Rainer Kilian: Gutenberg – Geschichte einer Gemeinde am Albaufstieg 1998.

Christa Reichle: Die Nikolauskirche in Gutenberg, Evangelische Kirchengemeinde Gutenberg 1999.

Schriftenreihe des Stadtarchivs Kirchheim unter Teck, Band 36:
Ernst Leute und Wolfgang Znaimer
Orgeln unter Teck (Seite 83)

150 Jahre Nikolauskirche 1865 – 2015, Mitteilungen der Evangelischen Kirchengemeinde Gutenberg 2015.

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Selten fleißig dokumentiert;
da wird man besten informiert.

 

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Viele haben mitgewirkt,
sich für ihre Kirch verbürgt.

 

Kontakt

Adresse Pfarramt:
Pfarramt und Gemeindebüro
Raiffeisenstraße 2/1
73252 Schopfloch
Tel.: 07026-7042
Mail: info@evpfarramtschopfloch.de
Homepage Pfarramt

Adresse der Kirche:
Nikolauskirche
Lindenstraße 6
73252 Gutenberg

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