Amen, Amen, Amen! Jeden Sonntag dasselbe.

Was für die Gemeinde selbstverständlich sicher ist „wie das Amen in der Kirche“, wurde für mich immer mehr zur Frage: Wie schnell soll ich spielen, wie laut, wie lange aushalten beim Schlussakkord? Und – muss es immer derselbe harmonische Verlauf sein?
Für die fünf Akkorde zwischen Anfang und Ende gibt es ja viele Möglichkeiten, solange die Melodie nicht gestört wird. Keinesfalls darf das bekräftigende Amen infrage gestellt oder gar in Verneinung umschlagen. In meiner über siebzig Jahre langen Organistenpraxis habe ich zwar mehr kapituliert als experimentiert, allmählich aber wurde mir das Amen zur Qual. Ließ ich meiner harmonischen Fantasie freien Lauf, beschlich mich ein schales Gefühl hinterher. Blieb ich bei Dur-, Moll-, Sext- und Quintsextakkorden, kam ich mir vor wie ein vertrottelter Pedant.
Aus Überdruss versuchte ich, Liedmelodien in den Mittelstimmen zu verstecken. Nun ergaben sich die Harmonien von selbst. Endlich kein Problem mehr, das Amen, sondern eine spannende Aufgabe; jeden Morgen ein neues Abenteuer.
Alle etwa 600 Melodien unseres Württembergischen Gesangbuchs sind jetzt verpackt und ich ertappe mich beim Üben des Amens. Nachmachen!

PS.:  Alle Sätze stehen hier in Kürze zum Download zur freien Verfügung bereit!